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Jürgen Kaufmann
Freaks
Jürgen Kaufmann ist Pastoralreferent und arbeitet in der Cityseelsorge der „Offenen Kirche St. Klara“.

Unlängst hab’ ich ihn wieder gesehen: maximal eins fünfzig groß, sehnig, quirlig, vielleicht Mitte 40, und alles in allem reichlich verrückt. Immer dann, wenn es wärmer wird, taucht er urplötzlich aus dem Nichts auf. Er trägt ein luftiges T-Shirt bei noch kühlen Temperaturen und steht vor einem Kaufhaus, mit zwei Dosen Bier ausgerüstet. Zufrieden kichert er in sich hinein, während er wild zur Musik aus einem viel zu großen CD-Player tanzt. Eine Gruppe Jugendlicher hat ihn erspäht und als Opfer auserkoren, das es zunächst mal zu verhöhnen gilt. Er lässt sich davon nicht beeindrucken. Als die Jungs aggressiver zu werden drohen, schreite ich ein. Er aber meint nur, sie dürfen das – und tanzt weiter. Ich bleibe noch eine Zeit stehen, zur Sicherheit. Als keine Gefahr mehr droht, gehe ich. Und blicke zurück auf den merkwürdigen tanzenden Gesellen. Er ist verrückt, gewiss. Ein Freak. Aber ich mag diese Freaks. Sie sind anders, weil sie nicht so funktionieren, wie es die Gesellschaft eben will. Für mich hat es was von dem, was Jesus gemeint haben muss, als er sagte: „Wer nicht wie die Kinder wird, kommt nicht ins Himmelreich.“ Echte Freaks gibt es nur noch wenige. Und die gilt es zu schützen.

Datum: 31.05.2010
Autor: Jürgen Kaufmann