Irene Keil ist Gemeindereferentin in der Pfarrei St. Walburga und Museumspädagogin im Germanischen Nationalmuseum.
Vergangene Woche zählte unser Sohn bei einer Busfahrt von Röthenbach nach Reichelsdorf auf ca. 5 km Strecke genau 130 Deutschland-Fähnchen an den entgegenkommenden Autos. – Wer „Flagge zeigt“, outet sich: zu welchem Lager er oder sie gehört, wo seine Sympathien liegen, welchen Ausgang sie für das anstehende Spiel herbeisehnt. Und wenn das Ergebnis so ausfällt wie erhofft, dann finden sich im Nu per Autokorso ganze Flaggenparaden zusammen und feiern, dass wir Deutschen im Weltfußball ganz vorne mitspielen!
Ganz ungewollt habe ich im Urlaub „Flagge gezeigt“ und bin als „Sympathisantin“ erkannt worden: Unsere Pfarrgemeinde feiert in diesem Jahr zusammen mit dem Bistum Eichstätt den 1300. Geburtstag der Hl. Walburga. Im Klosterladen der Abtei St. Walburg habe ich himmelblaue Leinentaschen mit Walburgas Konterfei entdeckt und eine gekauft, denn so eine nette hatte ich noch nicht! – Die „Himmelblaue“ hat mich dann auch an Pfingsten in unser Urlaubskloster nach Burgund begleitet und meine Habseligkeiten zuverlässig und stilvoll zwischen Gästehaus, Speisesaal und Kirche hin- und her transportiert.
Es dauert nicht lange, da spricht mich ein Gast an: „You’ve got a „Wälbörga“-bag?“ (Ben kommt aus Surrey/UK, wie sich bei dieser Gelegenheit herausstellt) – Ob ich Eichstätt kennen würde und die Abtei St. Walburg? – Ja, freilich! – Und er erzählt, dass er schon einmal in Eichstätt war und sogar die frühere Äbtissin von St. Walburg gekannt habe. Ob mir Minster Abbey in Kent ein Begriff sei, da sei er öfters zu Gast? – Ja, freilich! (Dieses aufgelassene Kloster kauften die Eichstätter Schwestern im Jahr 1937 als Zufluchtsort für den Notfall, weil die Nationalsozialisten schon Gebäudeteile von St. Walburg requiriert hatten, und besiedelten es wieder.) – Ben und ich waren auf einmal wie alte Bekannte. Uns hat seit diesem Tag etwas ganz Besonderes verbunden!
Zum Glück hatte ich die „Himmelblaue“ dabei! Sie hat ganz unabsichtlich eine Wirkung entfaltet und Beziehung zwischen Menschen aus ganz unterschiedlichen „Lagern“ gestiftet. – Die Hl. Walburga hat bestimmt darüber geschmunzelt oder verständnisvoll genickt: sie hat ja selbst im 8. Jahrhundert „um Christi Willen“ England verlassen und ist als Pilgerin zu uns in Fränkische gekommen: offen für neue Kontakte, benediktinische Spiritualität im Reisegepäck.
Die „Himmelblaue“ ist inzwischen in die Gegenrichtung gereist (gefüllt mit Sympathie und Freude über das Erlebte!), denn ich habe sie am Tag unserer Abreise Ben geschenkt. Er hat mir versprochen, sie fleißig in Surrey „auszuführen“!
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche mit vielen Gelegenheiten zum „Flagge zeigen“!