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Thomas Ohlwerter
Entspannender Blick nach oben
"Jesu Schulgang", Frauenkirche Nürnberg

In einigen Bundesländern hat die Ferienzeit schon begonnen, bei uns geht es merklich darauf zu. Das Bedürfnis bald weit weg zu kommen, ist spürbar. Aber nicht nur die Ferne dient der Erholung und Entspannung, sondern auch der Blick in die Höhe.

Schaut man, im Chorraum der Nürnberger Frauenkirche stehend, nach oben, sieht man diesen Schlussstein. Er trägt den Titel „Jesu Schulgang“. Missmutig, mit einer Schiefertafel in der Hand, wird Jesus von einer Frau zum Lernen in die Schule geführt. Man vermutet, dass es sich bei der Frau um eine Allegorie der Grammatica handelt, deren Attribut die Rute ist.

Wer auf dieses Motiv aufmerksam wird, reagiert oft mit Verwunderung. Warum bildet ein Schlussstein ein so alltägliches Motiv wie den Gang zur Schule ab? Und warum wird Jesus nicht als Weltenherrscher oder Richter dargestellt, sondern als Schuljunge? Für mich liegt die Bedeutung auf der Hand: Jesus ist einer von uns.

Wer aber zur Schule und zur Arbeit geht, braucht Ferien, Zeit zur Ruhe, Zeit zur Entspannung. Der Blick auf den Schlussstein im Gewölbe will uns sagen: Alles, was wir getan und wofür wir uns abgemüht haben, können wir nach oben abgeben und uns dadurch Entlastung schaffen. Gleichzeitig dürfen wir getrost davon ausgehen, dass all unser Tun „gefügt“ wird und Bestand hat.

Gibt es etwas Erholsameres als diesen Blick in die Höhe?

Denken Sie daran, bei Ihrer Urlaubsplanung!

Thomas Ohlwerter

 
Datum: 05.07.2010
Autor: Thomas Ohlwerter