„Geh und handle – genauso!“ - Auslegung zu Lukas 10, 25-37
Roland Huth ist Pfarrer der Frauenkirche Nürnberg
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Geschwister!
Das Fußballspiel der deutschen Mannschaft gegen die Spanier um den Einzug in´s Endspiel war wohl nicht ganz so gelungen, wie es sich viele von uns erhofft hatten. Was im vorherigen Spiel erstklassig gelang, das wollte einfach nicht werden; es lief im wahrsten Sinn des Wortes nicht rund.
Und dabei war theoretisch sicher alles klar. Die gegnerische Mannschaft bekannt, analysiert, eingeübte und trainierte Verhaltensmuster, um dementsprechend auch handeln zu können. Die Theorie – wie gesagt –, die hat gepasst. Leider diesmal in nichts die Ausführung.
Schade drum, aber die Spanier haben verdient gewonnen…und wenn Sie diese Zeilen lesen, dann wird klar sein, ob wir uns beim Spiel um den dritten Platz wacker geschlagen haben….
In der Theorie, ja, da ist uns fast immer alles klar. Da können wir uns das Leben, die nächste Woche, unsere Arbeit, unsere Beziehungen wunderbar analytisch zurecht legen. Leider geht es aber da oft genau so, wie beim geschilderten Spiel.
Der Andere reagiert nicht so, wie ich es geplant hatte! Die Situation mit den Menschen, die ich mir so gut zurecht gedacht und gelegt hatte, die entwickelt sich ganz anders. Mein vermeintlich guter Ansatz stößt auf heftigen Widerspruch, greift nicht, ist eigentlich falsch….
Ich unterstelle Ihnen jetzt ganz frech, dass Ihnen diese Situationen im eigenen Leben gar nicht so fremd sind. Mir auf jeden Fall nicht.
Gut gemeint ist noch lange nicht gut getan. Was nützt die beste und bestgemeinte Überlegung, wenn das Leben, wenn Beziehungen, wenn das, was mich gerade fordert, sich ganz anders entwickeln? Das Leben funktioniert nicht nach Lehrbuch – und schon gar nicht dort, wo wir Menschen oft am meisten gefordert sind.
Einer, der eigentlich sein „Lehrbuch“ sehr gut kannte, kommt eines Tages zu Jesus.
Und dieser Gesetzeslehrer stellt – nicht ganz arglos – an Jesus DIE WICHTIGE FRAGE: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
Der Konter von Jesus war allemal gelungener als jeder versuchte Konter unserer Mannschaft am Mittwochabend: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?
Quasi ein Konter mit den eigenen Waffen: mit dem GESETZ!
Und der Andere zitiert, was er gelernt hat: Gott lieben, seinen Nächsten wie sich selbst. Brav die Theorie gelernt… und jetzt kommt aber auch die Praxis dazu.
Jesus erzählt ihm das Gleichnis vom barmherzigen Samariter…..und endet mit der Frage: Wer von den Dreien hat sich wohl jetzt als der Nächste dessen erwiesen, der überfallen wurde?
Klar – was bleibt dem Gesetzeslehrer anderes übrig, als zu sagen: Der Samariter!
Vielleicht hat er sich gedacht: Prima, ausgerechnet der!
Die Schlussbemerkung von Jesus war dann dementsprechend eindeutig: Dann geh, und handle genau so!
Was mich diese Episode aus dem Evangelium lehrt, kann ich gar nicht in ein oder zwei Sätzen sagen. Vielleicht gehört aber dazu: Es nützt nichts, wenn du jederzeit mit deinen frommen flotten Sprüchen und Weisheiten daher kommst. Es nützt zumindest dann überhaupt nichts, wenn die Umsetzung nicht in deinem Leben greift. Und zwar so greift, dass Situationen, Lebenserfahrungen, berufliche Auseinandersetzungen, Beziehungen wieder heiler werden.
„Du sollst Gott lieben, deinen Nächsten wie dich selbst….“
Also, liebe Leserinnen und Leser – auf geht´s. Wissen tun wir es ja. Und damit es uns nicht so geht wie der deutschen Mannschaft am Mittwoch, gehört jetzt auch ein wenig Vertrauen, Wagemut und Durchblick dazu, wenn es darum geht zu entdecken, wer gerade jetzt, gerade in dieser Lebenssituation wirklich mein Nächster ist. Meistens kann ich mir´s gar nicht aussuchen. Meistens steht mein „Nächster“ einfach so neben mir….
Hoffentlich habe ich dann auch Jesu Wort im Ohr: „Dann geh und handle genau so!“
Ihnen wünsche ich eine gute, „Nächsten-reiche“ Woche.