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Barbara Mulzer
Zeugnis
Barbara Mulzer ist Pastoralreferentin an der Maria-Ward-Schule in Nürnberg.

Endlich ist es wieder so weit – die Sommerferien stehen vor der Tür! Ein anstrengendes Schuljahr geht zu Ende, besonders die letzten Wochen hatten es in sich. Da mussten noch unbedingt Noten gemacht und die letzten Kapitel der Bücher im Schnelldurchlauf durchgepaukt werden. Bei dem schönen Wetter draußen konnte sich ein Schultag quälend in die Länge ziehen, und in so manchem Klassenzimmer fühlte man sich wie in einem ICE, in dem die Klimaanlage ausgefallen ist.

Aber jetzt ist es ja beinahe geschafft, nur noch das Zeugnis trennt von einem unbeschwerten Start in die Ferien. Das Zeugnis... Zahlen von eins bis sechs geben Auskunft über die Arbeit eines Jahres. Gerecht oder ungerecht, objektiv oder subjektiv, darüber kann man streiten. Leistung wird bei uns nun mal gemessen, auf die persönlichen Befindlichkeiten eines Schülers wird nur bedingt Rücksicht genommen. Stärken und Begabungen, die nicht in das schulische System passen, haben im Zeugnis meistens keinen Platz, es sei denn, ein aufmerksamer Klassenlehrer bringt sie in der Bemerkung unter.

Erwachsene sind froh, dass sie den schulischen Leistungsdruck hinter sich haben. Aber als Erwachsener merkt man auch schnell, dass das Leben eine ganze Menge an neuen Prüfungen bereit hält, auf die einen keiner so recht vorbereitet hat.

Ob Gott uns am Ende unseres Lebens dafür auch ein Zeugnis ausstellt? Und bis zu welchem Notendurchschnitt hat man bestanden? Ich hoffe und glaube, dass Gott ganz anders rechnet. Bei ihm zählt schon das Bemühen, nicht nur das Ergebnis.

Datum: 26.07.2010
Autor: Barbara Mulzer